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ÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻ
Trägheitskraft
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
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In der klassischen Mechanik ist die Trägheit eine Erfahrungstatsache: Physikalische KĂśrper ohne äuĂere Krafteinwirkung verharren in ihrem Bewegungszustand. Die bei der Ănderung des Bewegungszustandes auftretende Trägheitskraft wird verstanden als âŚ
⢠⌠Widerstand, den jeder KĂśrper einer tatsächlichen Beschleunigung seiner Bewegung entgegensetzt. Diesen Trägheitswiderstand entwickelt der beschleunigte KĂśrper âvon innen herausâ, einfach weil er Masse hat. Er lässt sich durch eine Kraft ausdrĂźcken, nämlich durch die dâAlembertsche Trägheitskraft. Die dâAlembertsche Trägheitskraft (benannt nach Jean-Baptiste le Rond dâAlembert) hat immer eine wohldefinierte GrĂśĂe, denn sie ist entgegengesetzt gleich zur Summe aller von auĂen wirkenden Kräfte.
⢠⌠Kraft auf einen KĂśrper, die zusätzlich zu spĂźrbaren äuĂeren Kräften angenommen wird, um seine Dynamik zu deuten, wenn seine Bewegung im Rahmen eines beschleunigten Bezugssystems beschrieben wird (etwa relativ zum bremsenden Auto, zur rotierenden Drehscheibe auf dem Spielplatz oder zur Erdoberfläche). Die so definierte Trägheitskraft tritt, auch bei Abwesenheit von äuĂeren Kräften, in jedem beschleunigten Bezugssystem auf. Ihre Stärke und Richtung an einem bestimmten Ort sind keine feststehenden GrĂśĂen, sondern hängen von der Wahl des beschleunigten Bezugssystems ab. In einem Inertialsystem tritt diese Trägheitskraft gar nicht auf. Deshalb wird sie häufig als Scheinkraft bezeichnet.cite-ref-1[1]
Nach Betrag und Richtung ist die dâAlembertsche Trägheitskraft gleich der Scheinkraft (nach der Definition im zweiten Punkt), wenn fĂźr die Beschreibung der Bewegung dasjenige beschleunigte Bezugssystem gewählt wurde, das sich mit dem beschleunigten KĂśrper mitbewegt.
Obwohl die Trägheitskraft als rein formale GrĂśĂe definiert wird, wird sie im Alltag häufig wie eine reale Kraft wahrgenommen. Der Begriff ist daher fĂźr das Verständnis von Alltagserfahrungen oft von Nutzen. Einfache Beispiele sind, wenn man sich im Auto bei starken Bremsen nach vorne in die Gurte gedrĂźckt fĂźhlt oder bei engen Kurven gegen die Seitenwand. In allen solchen Fällen geht die Wirkung, die scheinbar von der Trägheitskraft verursacht wird, auf das Wirken echter äuĂerer Kräfte zurĂźck. In den beiden Beispielen etwa Ăźben die Gurte auf den KĂśrper eine nach hinten gerichtete Zugkraft aus, die ihn so verlangsamt, dass er nicht vom ebenfalls langsamer werdenden Sitz nach vorne rutscht, und ebenso wirkt die Seitenwand seitlich auf den KĂśrper ein, so dass seine Bewegungsrichtung gegenĂźber der Erde ständig der Kurvenfahrt angepasst wird.
Die Trägheitskraft genĂźgt nicht dem Prinzip von Actio und Reactio, denn es gibt keinen zweiten KĂśrper, von dem sie ausgeht. Sowohl die Trägheitskraft im beschleunigten Bezugssystem als auch dâAlembertsche Trägheitskraft sind proportional zur Masse des KĂśrpers. Deshalb werden die Trägheitskräfte auch Massenkräfte genannt.
Zu den bekannten Erscheinungsformen zählen die Trägheitskraft beim Anfahren und Abbremsen, die Zentrifugalkraft und die Corioliskraft. Die Gravitation zählt in der klassischen Mechanik zu den spĂźrbaren äuĂeren Kräften. Da aber nach dem Ăquivalenzprinzip auch die Gravitation eine Massenkraft ist und sich eine konstante geradlinige Beschleunigung nicht vom Wirken eines homogenen Gravitationsfeldes unterscheiden lässt, ist es mĂśglich, auch die Gravitation als vom Bezugssystem abhängige Trägheitskraft aufzufassen. Dies ist der Ausgangspunkt der Allgemeinen Relativitätstheorie.
Trägheitskräfte sind in der theoretischen und in der technischen Mechanik hilfreiche GrĂśĂen fĂźr das Aufstellen und LĂśsen von Bewegungsgleichungen mechanischer Systeme.
Contents
⢠Einleitung
⢠Ăberblick
⢠Definition
⢠Begriffsbildung
⢠Zentrifugalkraft
⢠Corioliskraft
⢠Eulerkraft
⢠Formeln
⢠Begriffsbildung
⢠Beispiel
⢠Siehe auch
⢠Weblinks
⢠Anmerkungen
⢠Einzelnachweise
⢠Literatur
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Einleitung
Kurzfassung aus der Technischen Mechanik
Das zweite newtonsche Gesetz âKraft gleich Masse mal Beschleunigungâ hat Jean-Baptiste le Rond dâAlembert erstmals als Gleichgewicht zwischen der einwirkenden Kraft und einer Trägheitskraft interpretiert, die der Impulsänderung âMasse mal Beschleunigungâ entgegengesetzt ist, siehe Dynamisches Gleichgewicht (Technische Mechanik).cite-ref-3[2.1]
Mit Scheinkräften interpretiert ein beschleunigt bewegter Beobachter die von ihm als beschleunigt wahrgenommene Bewegung eines KÜrpers, der an sich (in einem Inertialsystem) kräftefrei ist, ruht oder sich gleichfÜrmig bewegt.
In der Sprache der Technischen Mechanik ist das zweite newtonsche Gesetz eine VektorÂgleichung F â â = m a â â {\displaystyle {\vec {F}}=m{\vec {a}}} mit Kraft F â â {\displaystyle {\vec {F}}} , Masse m {\displaystyle m} und Beschleunigung a â â {\displaystyle {\vec {a}}} . Die im Inertialsystem K auftretende Absolutbeschleunigung a â â {\displaystyle {\vec {a}}} besteht im beschleunigten Bezugssystem K' des Beobachters aus mehreren Termen
a â â = a â â t r a n s + Ď Ď â â Ë Ë Ă Ă r â â Ⲡ+ Ď Ď â â Ă Ă ( Ď Ď â â Ă Ă r â â Ⲡ) + 2 Ď Ď â â Ă Ă v â â Ⲡ+ a â â ⲠF â â = m a â â = m ( a â â t r a n s + Ď Ď â â Ë Ë Ă Ă r â â Ⲡ+ Ď Ď â â Ă Ă ( Ď Ď â â Ă Ă r â â Ⲡ) + 2 Ď Ď â â Ă Ă v â â Ⲡ+ a â â Ⲡ) {\displaystyle {\begin{aligned}{\vec {a}}=&{\vec {a}}_{\mathrm {trans} }+{\dot {\vec {\omega }}}\times {\vec {r}}'+{\vec {\omega }}\times ({\vec {\omega }}\times {\vec {r}}')+2{\vec {\omega }}\times {\vec {v}}'+{\vec {a}}'\\{\vec {F}}=&m{\vec {a}}=m{\big (}{\vec {a}}_{\mathrm {trans} }+{\dot {\vec {\omega }}}\times {\vec {r}}'+{\vec {\omega }}\times ({\vec {\omega }}\times {\vec {r}}')+2{\vec {\omega }}\times {\vec {v}}'+{\vec {a}}'{\big )}\end{aligned}}}
mit denen das zweite newtonsche Gesetz in K'cite-ref-4[2.2]
m a â â Ⲡ= F â â + F â â f + F â â c F â â f = â â m a â â t r a n s â â m Ď Ď â â Ë Ë Ă Ă r â â Ⲡâ â m Ď Ď â â Ă Ă ( Ď Ď â â Ă Ă r â â Ⲡ) F â â c = â â 2 m Ď Ď â â Ă Ă v â â Ⲡ{\displaystyle {\begin{aligned}m{\vec {a}}'=&{\vec {F}}+{\vec {F}}_{f}+{\vec {F}}_{c}\\{\vec {F}}_{f}=&-m{\vec {a}}_{\mathrm {trans} }-m{\dot {\vec {\omega }}}\times {\vec {r}}'-m{\vec {\omega }}\times ({\vec {\omega }}\times {\vec {r}}')\\{\vec {F}}_{c}=&-2m{\vec {\omega }}\times {\vec {v}}'\end{aligned}}}
lautet, worin die FĂźhrungskraft F â â f {\displaystyle {\vec {F}}_{f}} und Corioliskraft F â â c {\displaystyle {\vec {F}}_{c}} die Scheinkräfte darstellen. Weiters sind a â â t r a n s {\displaystyle {\vec {a}}_{\mathrm {trans} }} die translatorische Beschleunigung von K' in K, Ď Ď â â , Ď Ď â â Ë Ë {\displaystyle {\vec {\omega }},\,{\dot {\vec {\omega }}}} die Winkelgeschwindigkeit bzw. Winkelbeschleunigung des Bezugssystems K' in K, und die relativen GrĂśĂen r â â Ⲡ, v â â Ⲡ, a â â Ⲡ{\displaystyle {\vec {r}}',\,{\vec {v}}',\,{\vec {a}}'} Ort, Geschwindigkeit bzw. Beschleunigung werden in K' beobachtet, siehe Beschleunigtes Bezugssystem.
Ăberblick
Eine Grundlage der Erklärung der Trägheitskräfte ist das Trägheitsprinzip, das fĂźr Bewegungen gilt, die relativ zu einem Inertialsystem beschrieben werden. Demnach erfolgt die Bewegung eines KĂśrpers geradlinig-gleichfĂśrmig, wenn keine äuĂere Kraft auf ihn einwirkt. Dies schlieĂt ein, dass ein ruhender KĂśrper ohne das Einwirken einer äuĂeren Kraft auch in Ruhe bleibt, denn Ruhe ist als Bewegung mit der Geschwindigkeit null anzusehen. Wenn aber eine äuĂere Kraft wirkt, dann bewegt sich der KĂśrper nicht mehr geradlinig-gleichfĂśrmig, eine solche Veränderung des Bewegungszustandes wird als Beschleunigung bezeichnet. Eine beschleunigte Bewegung ist nicht nur das Abbremsen oder Beschleunigen einer geradlinigen Bewegung (Abweichung von der GleichfĂśrmigkeit), sondern auch jede Bewegung auf einer gekrĂźmmten Bahn (Abweichung von der Geradlinigkeit), also z. B. auch, wenn der Gegenstand sich mit konstantem Tempo, d. h. konstantem Geschwindigkeitsbetrag, auf einer Kreisbahn bewegt.
Wenn nun ein KĂśrper durch eine äuĂere Kraft beschleunigt wird, dann setzt er dieser Kraft einen Trägheitswiderstand entgegen. Das negative Produkt aus Masse und Beschleunigung des KĂśrpers wird dâAlembertsche Trägheitskraft genannt, in der Technischen Mechanik auch einfach Trägheitskraft ohne Zusatz. Sie ist demnach gemäà dem zweiten Newtonschen Gesetz (oder der Grundgleichung der Mechanik) genau das Negative der äuĂeren Kraft, sodass die Summe aus beiden null ist. Zusammen mit den von auĂen wirkenden Kräften bildet diese dâAlembertsche Trägheitskraft daher ein dynamisches Gleichgewicht. Die dâAlembertsche Trägheitskraft wird auch als Trägheitswiderstand bezeichnet oder â weil sie von der Masse des KĂśrpers verursacht wird und lokal proportional zur Dichte ist â als Massenkraft.
Ein anderer Zugang zur Trägheitskraft ergibt sich, wenn man die Bewegung eines kräftefreien KĂśrpers nicht relativ zu einem Inertialsystem beschreibt, sondern aus der Sicht eines beschleunigten Bezugssystems. Gerade weil dieser kräftefreie KĂśrper in einem Inertialsystem ruht oder sich geradlinig-gleichfĂśrmig bewegt, erscheint er im beschleunigten Bezugssystem in einer beschleunigten Bewegung. SchlieĂt man daraus â ohne die Beschleunigung des Bezugssystems zu beachten â auf das Wirken einer Kraft, so ergibt sich die Trägheitskraft im beschleunigten Bezugssystem. Mit ihrer Mitwirkung kann man also die im beschleunigten Bezugssystem beobachtete Beschleunigung nach dem zweiten Newtonschen Gesetz erklären, ohne die beschleunigte Bewegung des Bezugssystems selbst zu beachten. Die Trägheitskraft im beschleunigten Bezugssystem existiert sozusagen nicht ârealâ wie die äuĂeren Kräfte, die nach Stärke und Richtung unabhängig von der Bewegung des Bezugssystems sind (auĂer in der Relativitätstheorie, wo auch die ârealenâ Kräfte in verschiedenen Bezugssystemen verschieden sind), sondern nur zum Zweck der Beschreibung der Bewegung mithilfe des zweiten Newtonschen Gesetzes im Rahmen des beschleunigten Bezugssystems. Sie wird daher auch als âScheinkraftâ, âPseudokraftâ oder âfiktive Kraftâ bezeichnet. In Berechnungen von Bewegungen relativ zu einem beschleunigten Bezugssystem wird sie wie eine weitere äuĂere Kraft behandelt, und ihre Wirkungen in diesem Bezugssystem sind auch genauso real wie die der ârealenâ äuĂeren Kräfte.
Man bemerkt die Trägheitskraft häufig, wenn man gegenĂźber dem festen Erdboden beschleunigt wird. Dabei bildet die feste Erdoberfläche ein Inertialsystem â zwar nicht exakt, aber doch jedenfalls näherungsweise. Intuitiv wählt man aber häufig den eigenen KĂśrper und eventuell seine nähere Umgebung als Bezugssystem seiner Beobachtung von Ruhe, Bewegung und Beschleunigung und interpretiert die Bewegung damit von einem beschleunigten Bezugssystem aus. Beispiele sind die gefĂźhlte Trägheit des eigenen KĂśrpers beim Anfahren oder Bremsen der StraĂenbahn oder des Fahrstuhls, die Zentrifugalkraft bei Kurvenfahrten z. B. im Auto, Riesenrad oder Kettenkarussell. Weniger intuitiv verständlich ist die Corioliskraft, die z. B. groĂräumige LuftstrĂśmungen aufgrund der Rotation der Erdoberfläche zu Hoch- und Tiefdruckwirbeln formt. Betrachtet man aber die betreffende Bewegung des KĂśrpers von einem Inertialsystem aus, so erweisen sich die der Trägheitskraft zugeschriebenen Wirkungen ausnahmslos als Folge des Trägheitsprinzips in Verbindung mit äuĂeren Kräften, die von anderen KĂśrpern ausgehen.
DâAlembertsche Trägheitskraft
Definition
Beim Begriff der dâAlembertschen Trägheitskraft legt man ein Inertialsystem zugrunde. Die sich darin zeigende absolute Beschleunigung a â â {\displaystyle {\vec {a}}} ist in der klassischen Mechanik durch das zweite Newtonsche Gesetz mit der Gesamtheit der äuĂeren Kräfte F â â {\displaystyle {\vec {F}}} verknĂźpft:
F â â = m a â â {\displaystyle {\vec {F}}=m\,{\vec {a}}}
oder
F â â â â m a â â = 0 â â . {\displaystyle {\vec {F}}-m{\vec {a}}={\vec {0}}.}
Wird darin â â m a â â {\displaystyle -m{\vec {a}}} formal als Kraft F T {\displaystyle F_{\text{T}}} aufgefasst, so erhält man mit
F â â + F â â T = 0 â â {\displaystyle {\vec {F}}+{\vec {F}}_{T}={\vec {0}}}
eine Gleichung, die in der Statik das Gleichgewicht der Kräfte beschreibt und als dynamisches Gleichgewicht bekannt ist. Der Unterschied ist, dass F T {\displaystyle F_{\text{T}}} nicht auf eine Wechselwirkung mit einem anderen KĂśrper zurĂźckzufĂźhren, sondern eine Scheinkraft ist. Sie wird in der Technischen Mechanik dâAlembertsche Trägheitskraft genannt,cite-ref-5[3] in einigen Werken der Physik oder der Theoretischen Mechanik auch nur Trägheitskraft.
Die dâAlembertsche Trägheitskraft ist die mathematische Präzisierung der âvis inertiaeâ, die von Newton eingefĂźhrt wurde und solange existiert, wie die Geschwindigkeit eines KĂśrpers durch eine äuĂere Kraft in Richtung und/oder Betrag geändert wird. Damit Ăźberwand Newton die ältere Bedeutung der vis inertiae, die seit dem Altertum darin bestanden hatte, aller Materie (um sie vom Geist zu unterscheiden) die Eigenschaft der Trägheit zuzuschreiben. Diese sollte sich dadurch äuĂern, dass ein KĂśrper sich durch seine Trägheitskraft jeder Bewegung Ăźberhaupt und auch jeder Ănderung einer bestehenden Bewegung widersetzt. Daneben definierte Newton in seinen Axiomen die bewegende Kraft (âvis motrixâ) als Ursache jeder Ănderung des Bewegungszustandes, und dies wurde nach der Ausformulierung der Newtonschen Mechanik durch Euler allmählich zur genauen Bedeutung von âKraftâ in der Mechanik.
Beziehung zur Trägheitskraft in beschleunigten Bezugssystemen
Die im Inertialsystem ermittelte dâAlembertsche Trägheitskraft ist genau so groĂ wie die Trägheitskraft im beschleunigten Bezugssystem, die man fĂźr den Fall ermittelt, wo man als beschleunigtes Bezugssystem gerade das Ruhesystem des betreffenden KĂśrpers zugrunde legt. Ăberhaupt fĂźhrt die konkrete Behandlung einer mechanischen Frage immer zu Ăźbereinstimmenden Ergebnissen, unabhängig davon, ob die Rechnung mit oder ohne Benutzung der dâAlembertschen Trägheitskraft durchgefĂźhrt wird.
Unter Einbeziehung der dâAlembertschen Trägheitskraft ergibt die Kräftebilanz eines KĂśrpers immer null, wie im Fall eines statischen Gleichgewichts oder der kräftefreien Bewegung. Daher muss betont werden, dass die dâAlembertsche Trägheitskraft keine Kraft im Sinne der Newtonschen Axiome ist, in denen die Kraft ganz allgemein als die Ursache von Beschleunigung definiert wird.
Trägheitskräfte im beschleunigten Bezugssystem
Begriffsbildung
Die Trägheitskraft im beschleunigten Bezugssystem (in der Physik oft nur kurz als Trägheitskraft bezeichnet) wird benĂśtigt, um die Dynamik von KĂśrpern in einem beschleunigten Bezugsystem zu beschreiben. Sie lässt sich analytisch in vier Anteile zerlegen. Grundlage der Definition nach Leonhard Eulercite-ref-6[4]cite-ref-7[Anm. 1] ist das Trägheitsprinzip (oder Erstes Newtonsches Gesetz). Demzufolge gibt es unter den verschiedenen Bezugssystemen solche, in denen jeder sich selbst Ăźberlassene KĂśrper sich mit seiner momentanen Geschwindigkeit geradlinig-gleichfĂśrmig weiterbewegt (einschlieĂlich des Sonderfalls Geschwindigkeit null). Jede Abweichung von dieser kräftefreien, geradlinig-gleichfĂśrmigen Bewegung wird als Beschleunigung bezeichnet und gilt als Beweis, dass eine äuĂere Kraft auf den KĂśrper einwirkt. Diese Bezugssysteme werden seit 1886 als Inertialsysteme bezeichnet. Als âbeschleunigtes Bezugssystemâ wird ein Bezugssystem bezeichnet, das gegenĂźber einem Inertialsystem in beschleunigter Bewegung ist.
Relativ zu einem solchen beschleunigten Bezugssystem erscheint die im Inertialsystem geradlinig-gleichfĂśrmige Bewegung des KĂśrpers nicht geradlinig-gleichfĂśrmig, also beschleunigt. Nach Euler werden auch diese, in gewissem Sinn âscheinbarenâ Beschleunigungen als Folge einer âscheinbarâ einwirkenden Kraft angesehen. Diese Kraft wird âTrägheitskraftâ genannt, denn sie entsteht nicht wie die äuĂeren Kräfte aus der Einwirkung anderer KĂśrper, sondern verdankt ihre Existenz einzig der Trägheit des KĂśrpers in Verbindung mit der Wahl eines beschleunigten Bezugssystems. GrĂśĂe und Richtung der so erschlossenen Trägheitskraft werden aus dem Produkt von Masse des KĂśrpers und seiner Beschleunigung, soweit sie nicht von der äuĂeren Kraft hervorgerufen ist, ermittelt.
In einfachen Fällen ergibt sich die Trägheitskraft bei jeweils geeigneter Wahl des beschleunigten Bezugssystems in einer der im Folgenden beschriebenen vier Formen: Trägheitskraft beim Beschleunigen oder Abbremsen, Zentrifugalkraft, Corioliskraft, Eulerkraft. In den meisten Fällen aber ist die gesamte Trägheitskraft eine Summe aller vier Arten von Trägheitskräften. Die Abhängigkeit der Trägheitskräfte von der Wahl des Bezugssystems zeigt sich auch darin, dass sie in einem Inertialsystem gar nicht auftreten, und dass ein und derselbe Vorgang je nach Wahl des Bezugssystems durch verschiedene Kombinationen der genannten Formen der Trägheitskräfte erklärt wird. Es gibt keinen âwirklichenâ, d. h. von der Wahl eines Bezugssystems unabhängigen Wert fĂźr die Trägheitskraft, und auch nicht fĂźr die vier einzelnen oben erwähnten Erscheinungsformen.
Wählt man fĂźr einen bestimmten Vorgang ein Bezugssystem, in dem der KĂśrper ruht, so stimmen die Trägheitskraft im beschleunigten Bezugssystem und die dâAlembertsche Trägheitskraft nach Betrag und Richtung Ăźberein. Trotzdem dĂźrfen beide Begriffe nicht gleichgesetzt werden, denn ihr Gebrauch ist an entgegengesetzte Voraussetzungen geknĂźpft: Die dâAlembertsche Trägheitskraft setzt ein Inertialsystem voraus, die Trägheitskraft im beschleunigten Bezugssystem ein Nicht-Inertialsystem.
Sind im gewÜhnlichen Fall auch andere Kräfte zu berßcksichtigen (was daran zu erkennen ist, dass auch vom Inertialsystem aus gesehen die Bewegung des KÜrpers nicht geradlinig-gleichfÜrmig verläuft), werden diese zu der Trägheitskraft vektoriell addiert, um die Gesamtkraft zu erhalten. Mit dieser Gesamtkraft gilt dann das 2. Newtonsche Gesetz auch fßr die Bewegungen, wie sie relativ zu diesem beschleunigten Bezugssystem beobachtet werden.
Die formelmäĂige Bestimmung der einzelnen Trägheitskräfte erhält man, indem man die gegebene Bewegung vom Inertialsystem aus betrachtet und die Koordinaten aus der Bewegung des beschleunigten Bezugssystems gegenĂźber dem Inertialsystem und der Bewegung des KĂśrpers relativ zum beschleunigten Bezugssystem zusammensetzt (âzusammengesetzte Bewegungâ). Die Gleichung fĂźr die Absolutbeschleunigung im Inertialsystem wird umgestellt, um die Relativbeschleunigung zu erhalten. Durch Multiplikation mit der Masse erhält man die AusdrĂźcke fĂźr die Trägheitskräfte.
Trägheitskraft beim Beschleunigen oder Abbremsen
In der Trägheitskraft im beschleunigten Bezugssystem unterscheidet man vier Beiträge, die in den folgenden Absätzen am Beispiel eines Mitfahrers in einem Fahrzeug anschaulich einzeln dargestellt werden. Das bewegte Bezugssystem ist jeweils fest mit dem Fahrzeug verbunden, und der Mitfahrer, der hier auch der Beobachter ist, bleibt relativ zu diesem Bezugssystem (praktisch) in Ruhe. (Von anderen Bezugssystemen aus wßrde sich aus der Betrachtung derselben Bewegung jeweils eine andere Trägheitskraft ergeben, wobei die einzelnen Arten sich auch vermischen kÜnnen.) Das Inertialsystem ist mit dem Erdboden verbunden.
Ein Fahrzeug werde parallel zu seiner Geschwindigkeit v B {\displaystyle v_{B}} mit der Beschleunigung a B {\displaystyle a_{B}} beschleunigt ( a B > 0 {\displaystyle a_{B}>0} ) oder abgebremst ( a B < 0 {\displaystyle a_{B}<0} ).
Beobachtung im mitbewegten Bezugssystem: Auf einen KÜrper der Masse m {\displaystyle m} , z. B. einen Fahrgast, wirkt die Trägheitskraft
F T = â â m a B . {\displaystyle F_{T}=-m\,a_{B}.}
Die Trägheitskraft F T {\displaystyle F_{T}} ist der Beschleunigung des Bezugssystems entgegengerichtet. Beim âGas gebenâ drĂźckt sie den Fahrgast nach hinten gegen die RĂźckenlehne, beim Bremsen nach vorne gegen die Gurte.
Beobachtung im Inertialsystem: Damit der Fahrgast synchron mitbeschleunigt wird, muss auf ihn die Kraft F = + m a B {\displaystyle F=+m\,a_{B}} wirken. Beim Gasgeben Ăźbt seine RĂźckenlehne diese Kraft aus (âSchubâ). Beim Abbremsen wird er durch die Kraft verlangsamt, die der Gurt auf ihn ausĂźbt (ânegativer Schubâ).
Weitere Beispiele: Aufprall beim Fall auf den Boden oder beim Auffahrunfall, leichter/schwerer werden beim Anfahren/Abbremsen des Fahrstuhls, Umkippen aufrecht stehender Gegenstände bei seitlicher Beschleunigung der Unterlage (auch bei Erdbeben), Schßtteln und Rßtteln.
Zentrifugalkraft
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Hauptartikel
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Zentrifugalkraft
Ein Fahrzeug fährt mit der konstanten Geschwindigkeit v B {\displaystyle v_{B}} durch eine Kurve mit Radius R {\displaystyle R} .
Beobachtung im rotierenden Bezugssystem: Auf einen mitbewegten KÜrper der Masse m {\displaystyle m} wirkt die Trägheitskraft
F T = m v B 2 R . {\displaystyle F_{T}={\frac {m\,v_{B}^{2}}{R}}.}
Diese Trägheitskraft ist vom Kurvenmittelpunkt radial nach auĂen gerichtet und heiĂt Zentrifugalkraft. Sie drĂźckt den Fahrgast gegen die in der Kurve auĂen liegende Seitenlehne.
Beobachtung im Inertialsystem: Damit der Fahrgast relativ zu seinem Sitz in Ruhe bleibt, muss er dieselbe Kreisbahn durchlaufen wie das Fahrzeug. Dazu muss auf ihn die Kraft F = m v B 2 R {\displaystyle F={\frac {m\,v_{B}^{2}}{R}}} in Richtung zum Kurvenmittelpunkt wirken (Zentripetalkraft). Anderenfalls wĂźrde er sich geradeaus weiter bewegen. Diese Kraft wird von der auĂen liegenden Seitenlehne auf ihn ausgeĂźbt.
Weitere Beispiele: Wäscheschleuder, nach auĂen gedrängte Sitze im Kettenkarussell, das Ausbrechen aus der Kurve beim Auto- oder Fahrradfahren, das GefĂźhl der abnehmenden Schwere im Riesenrad oben.
Corioliskraft
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Hauptartikel
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Corioliskraft
Ein Kind sitzt in einem Karussell und will eine Kugel in einen Korb werfen, der im Mittelpunkt des Karussells steht. Es zielt genau zur Mitte, doch wenn das Karussell sich dreht, fliegt die Kugel trotzdem neben dem Korb vorbei. (Kind und Korb befinden sich auf gleicher HĂśhe; die Schwerkraft sei bei der Betrachtung auĂer Acht gelassen.)
Beobachtung im mitbewegten Bezugssystem: Die Kugel wird mit Geschwindigkeit v Ⲡ{\displaystyle v'} radial nach innen losgeworfen und fliegt mit konstanter Geschwindigkeit, vollfßhrt aber keine geradlinige Bewegung. Stattdessen beschreibt sie eine zur Seite gekrßmmte Kurve. Denn quer zu ihrer Geschwindigkeitsrichtung wirkt in horizontaler Richtung die Trägheitskraft
F T = 2 m v â˛ Ď Ď . {\displaystyle F_{T}=2m\,v'\,\omega .}
Darin ist Ď Ď = 2 Ď Ď D a u e r e i n e r U m d r e h u n g {\displaystyle \omega ={\frac {2\pi }{\mathrm {Dauer\ einer\ Umdrehung} }}} die Winkelgeschwindigkeit des Karussells.
Beobachtung im Inertialsystem: Die fliegende Kugel ist kräftefrei und macht eine geradlinig-gleichfÜrmige Bewegung mit der Geschwindigkeit, die ihr zu Anfang erteilt wurde. Nach Betrag und Richtung setzt diese sich zusammen aus der Geschwindigkeit v Ⲡ{\displaystyle v'} , die das Kind der Kugel in der Richtung mitgibt, die im Moment des Abwurfs radial nach innen zeigt, und der Geschwindigkeit v B {\displaystyle v_{B}} , mit der das Kind (bzw. der Beobachter) selber sich zu diesem Zeitpunkt in tangentialer Richtung mit dem Karussell mitbewegt. Diese beiden Geschwindigkeiten stehen im rechten Winkel zueinander. Die Richtung der daraus zusammengesetzten Gesamtgeschwindigkeit zeigt am Korb vorbei.
Die Corioliskraft tritt in einem rotierenden Bezugssystem immer auf, wenn ein KĂśrper darin nicht ruht, sondern sich relativ zu diesem, und zwar nicht parallel zur Drehachse, bewegt. Man kann sie wie jede Trägheitskraft am eigenen KĂśrper dann spĂźren, wenn man âdagegenhaltenâ muss, um sie zu kompensieren, z. B. wenn man auf der Drehscheibe des Kinderspielplatzes auf gerader Linie nach innen gehen will, ohne seitlich abgelenkt zu werden. Die einfachsten Beispiele fĂźr die Corioliskraft betreffen solche radiale Bewegungen. Im allgemeinen Fall hat die Relativgeschwindigkeit v â â Ⲡ{\displaystyle {\vec {v}}'} auĂer einer radialen auch eine tangentiale und eine achsenparallele Komponente. Die achsenparallele Komponente bleibt immer folgenlos. Die radiale Geschwindigkeitskomponente (wie in den obigen Beispielen) ruft eine tangentiale Corioliskraft hervor. Die tangentiale Geschwindigkeitskomponente, die entsteht, wenn der KĂśrper sich anders um die Achse herum bewegt, als es einfach der Rotation des Bezugssystems entsprechen wĂźrde, bewirkt eine radial gerichtete Corioliskraft. Diese ist also parallel oder antiparallel zu der Zentrifugalkraft, die allein aufgrund der Rotation des Bezugssystems unverändert weiter besteht. Diese beiden radialen Kräfte zusammen ergeben eine radiale Kraft, die der zu einer erhĂśhten oder verringerten Umlaufgeschwindigkeit gehĂśrenden Zentrifugalkraft entspricht. Im ruhenden Bezugssystem betrachtet bewegt sich der KĂśrper aufgrund seiner tangentialen Relativgeschwindigkeit tatsächlich mit dieser veränderten Umlaufgeschwindigkeit. (Steht man z. B. auf einer Drehscheibe still, spĂźrt man nur die Zentrifugalkraft und muss sie durch eine gleich groĂe Zentripetalkraft ausgleichen. Läuft man aber in konstantem Abstand von der Achse entgegen der Drehbewegung, dann scheint sich die Zentrifugalkraft zu verringern, obwohl die Scheibe unverändert rotiert. Der Grund ist die zusätzlich wirkende Corioliskraft radial nach innen. Läuft man nun gerade mit der Umlaufgeschwindigkeit der Scheibe entgegen ihrem Drehsinn, dann bleibt der Läufer fĂźr den ruhenden Beobachter auĂerhalb der Drehscheibe ja wegen des Laufens immer an derselben Stelle, d. h., er ruht im Inertialsystem und ist dort kräftefrei. Im rotierenden Bezugssystem ist dann die Corioliskraft genau doppelt so groĂ wie die Zentrifugalkraft. In der Summe entsteht so die nach innen gerichtete Scheinkraft, die als âZentripetalkraftâ fĂźr die vom rotierenden Bezugssystem aus beobachtete Kreisbahn auf der Scheibe nĂśtig ist.) Im allgemeinen Fall ergeben tangentiale und radiale Komponente der Corioliskraft zusammen, dass die Corioliskraft stets senkrecht auf der Geschwindigkeitsrichtung im rotierenden Bezugssystem (und auf der Drehachse) steht und daher die Bahn eines sonst kräftefreien KĂśrpers zu einem Kreis umlenkt. Das ist z. B. an den Wolkenbildern um Hoch- und Tiefdruckgebiete zu sehen.
Weitere Beispiele: Drehung der Pendelebene beim Foucaultschen Pendel, subtropischer Passatwind und stratosphärischer Jetstream, Ostablenkung frei fallender KĂśrper sowie sich horizontal vom Ăquator weg bewegender KĂśrper auf der Erde.
Eulerkraft
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Hauptartikel
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Eulerkraft
Wenn die Winkelgeschwindigkeit eines rotierenden Bezugssystems nach Betrag und/oder Richtung variiert, tritt die Eulerkraft auf (wobei dieser Name sich nicht fest eingebĂźrgert hat). Ein einfaches Beispiel mit Ănderung des Betrags bei feststehender Richtung der Drehachse ist das Anfahren eines Karussells. Wenn man die Bewegung des Fahrgasts in dem Bezugssystem beschreibt, das sich mit dem Karussell zu drehen beginnt, ist seine Winkelbeschleunigung Ď Ď Ë Ë = d Ď Ď d t {\displaystyle {\dot {\omega }}={\frac {d\omega }{dt}}} und im Abstand r Ⲡ{\displaystyle r'} von der Achse die Trägheitskraft F T = â â m Ď Ď Ë Ë r Ⲡ{\displaystyle F_{T}=-m\,{\dot {\omega }}\,r'} . Sie ist der tangentialen Beschleunigung a = Ď Ď Ë Ë r Ⲡ{\displaystyle a={\dot {\omega }}\,r'} , die man im Inertialsystem hier beobachtet, entgegengerichtet und unterscheidet sich in nichts von der Trägheitskraft beim Beschleunigen oder Abbremsen.
Wenn die Drehachse auch ihre Richtung verändern kann, ist die Eulerkraft gegeben durch die allgemeine Formel
F â â T = â â m Ď Ď â â Ë Ë Ă Ă r â â Ⲡ. {\displaystyle {\vec {F}}_{T}=-m\,{\dot {\vec {\omega }}}\times {\vec {r}}{\;'}.}
Darin ist der Vektor Ď Ď â â Ë Ë = d Ď Ď â â d t {\displaystyle {\dot {\vec {\omega }}}={\frac {d{\vec {\omega }}}{dt}}} die Winkelbeschleunigung, also nach Richtung und Betrag die Ănderungsgeschwindigkeit der vektoriellen Winkelgeschwindigkeit Ď Ď â â {\displaystyle {\vec {\omega }}} .
Zur Erläuterung sei diese Trägheitskraft am Beispiel eines Massenpunktes betrachtet, der Teil eines horizontalen, schnelldrehenden, rotationssymmetrischen Kreisels ist, während dieser eine (langsame) Präzession um eine vertikale Achse ausfßhrt (siehecite-ref-video-pr-z-8-0[5]).
Beobachtung im Inertialsystem: Wenn der Kreisel nicht präzediert, verläuft die Bahn des Massenpunkts kreisfĂśrmig in einer festen, senkrechten Ebene. Diese Kreisbewegung wird durch eine entsprechende Zentripetalkraft hervorgerufen, die hier nicht weiter betrachtet werden muss. Bei Präzession dreht sich die Bahnebene um eine senkrechte Achse. Die Bahn des Massenpunkts hat dadurch eine zusätzliche KrĂźmmung, die am oberen und unteren Punkt entgegengesetzt und besonders groĂ ist, weil der Massenpunkt dann die Drehachse der Bahnebene passiert. Diese KrĂźmmung kann nur durch eine zusätzliche äuĂere Kraft hervorgerufen sein, die parallel bzw. antiparallel zur Kreiselachse steht. Diese fĂźr die Präzession erforderliche äuĂere Zusatzkraft auf den Massenpunkt variiert also bei jeder Umdrehung des Kreisels. Da der Kreisel rotationssymmetrisch ist, ergibt sich in der Summe Ăźber alle Massenpunkte, dass die zusätzlichen Kräfte zusammen einem Drehmoment entsprechen. In einem Bezugssystem, in dem die Kreiselachse feststeht, das aber die schnelle Rotation des Kreisels nicht mitmacht, ist dies Drehmoment zeitlich konstant. Damit die Präzessionsbewegung des Kreisels so abläuft wie beobachtet, muss dies Drehmoment von auĂen konstant auf die Kreiselachse einwirken. Der Vektor des Drehmoments steht senkrecht auf der (horizontalen) Kreiselachse und auf der (vertikalen) Achse der Präzession. Bei ruhendem Kreisel wĂźrde die Achse dann einfach nach oben oder unten kippen.
In Demonstrationsversuchen mit einem kräftefreien Kreisel (wie incite-ref-video-pr-z-8-1[5]) wird das zur Präzession erforderliche äuĂere Drehmoment durch ein angehängtes Gewicht realisiert, beim schräg stehenden Spielzeugkreisel durch die am Schwerpunkt angreifende Schwerkraft.
Beobachtung im bewegten Bezugssystem: Legt man als bewegtes Bezugssystem das Ruhesystem des Massenpunkts zugrunde, dann ruht er relativ hierzu, obwohl die eben beschriebene äuĂere Zusatzkraft auf ihn wirkt. Der Grund ist, dass sie durch eine entgegengesetzt gleich groĂe Trägheitskraft kompensiert ist, die gerade aus der besonderen Art der beschleunigten Bewegung dieses Bezugssystems entsteht. Diese Kraft ist die Eulerkraft.
(Das Bezugssystem ist hier so gewählt, dass seine Rotationsachse sich ändert und damit die Eulerkraft hervorbringt. Das Bezugssystem fĂźhrt sowohl die schnelle Rotation um die horizontal liegende Kreiselachse als auch die langsame Präzession der Kreiselachse um die vertikale Achse durch den Aufhängepunkt aus. Um die Präzession zu erklären, wird häufig ein leichter vorstellbares Bezugssystem gewählt, in welchem die Kreiselachse ruht, der Kreisel sich aber dreht. Dies Bezugssystem zeigt nur die Präzession mit ihrer konstanten Winkelgeschwindigkeit, ruft also keine Eulerkraft hervor. Relativ zu diesem Bezugssystem bewegt sich aber der Massenpunkt und erfährt daher eine Corioliskraft. Diese stimmt an jedem Punkt seines Umlaufs mit der vorher â im Ruhesystem des Massenpunkts â ermittelten Eulerkraft Ăźberein. Z. B. ist die Corioliskraft am grĂśĂten, wenn die Relativgeschwindigkeit des Massenpunkts senkrecht zur Rotationsachse des Bezugssystems, also der Präzessionsachse steht. Das geschieht am oberen und unteren Punkt der Kreisbahn, mit entgegengesetzten Vorzeichen der Corioliskraft.)
Weitere Beispiele: Kollermßhle. Dort erhÜht das Umlaufen der Mßhlsteine den Druck auf die Unterlage, was wie im Fall der Präzession je nach Wahl des beschleunigten Bezugssystems durch eine Eulerkraft oder eine Corioliskraft zu erklären ist.
Formeln
Notation
Um zwischen den GrĂśĂen eines Objektes (Ort, Geschwindigkeit, Beschleunigung) in zwei Bezugssystemen zu unterscheiden, wird fĂźr die Beobachtungen im Inertialsystem die unveränderte Notation benutzt und fĂźr das beschleunigte Bezugssystem jeweils der gleiche Buchstabe mit einem Apostroph (engl. prime). Letzteres wird dann auch als âgestrichenes Bezugssystemâ bezeichnet, und alle darauf bezogenen GrĂśĂen erhalten zur sprachlichen Unterscheidung den Zusatz âRelativ-â. Der Subindex B {\displaystyle _{B}} steht fĂźr den Ursprung des gestrichenen Bezugssystems.
| | Bedeutung |
|---|---|
| m {\displaystyle m} | Masse des betrachteten KĂśrpers. |
| r â {\displaystyle {\vec {r}}} | Position des Objektes in S (Inertialsystem). |
| r â Ⲡ{\displaystyle {\vec {r}}{\;'}} | Relativposition des Objektes in SⲠ(Nicht-Inertialsystem). |
| v â = r â Ë {\displaystyle {\vec {v}}={\dot {\vec {r}}}} | Geschwindigkeit des Objektes in S |
| v â Ⲡ{\displaystyle {\vec {v}}{\;'}} | Relativgeschwindigkeit des Objektes in SⲠ|
| a â = v â Ë {\displaystyle {\vec {a}}={\dot {\vec {v}}}} | Beschleunigung des Objektes in S |
| a â Ⲡ{\displaystyle {\vec {a}}{\;'}} | Relativbeschleunigung des Objektes in SⲠ|
| r â B {\displaystyle {\vec {r}}_{B}} | Position des Ursprungs von SⲠin S |
| v â B = r â Ë B {\displaystyle {\vec {v}}_{B}={\dot {\vec {r}}}_{B}} | Geschwindigkeit des Ursprungs von SⲠin S |
| a â B = v â Ë B {\displaystyle {\vec {a}}_{B}={\dot {\vec {v}}}_{B}} | Beschleunigung des Ursprungs von SⲠin S |
| Ď â {\displaystyle {\vec {\omega }}} | Winkelgeschwindigkeit des Systems SⲠin S |
| Îą â = Ď â Ë {\displaystyle {\vec {\alpha }}={\dot {\vec {\omega }}}} | Winkelbeschleunigung des Systems SⲠin S |
Translatorisch bewegtes Bezugssystem
Bewegt sich SⲠim Inertialsystem S rein translatorisch, also ohne jede Drehung, dann bewegen sich alle Punkte, die in SⲠruhen, parallel zueinander mit derselben Geschwindigkeit v â â B {\displaystyle {\vec {v}}_{B}} wie der Ursprung. Eine Relativbewegung im Bezugssystem kommt additiv hinzu. Folglich gilt:
| | kinematische GrĂśĂen in S |
|---|---|
| Position | r â = r â B + r â Ⲡ{\displaystyle {\vec {r}}={\vec {r}}_{B}+{\vec {r}}{\;'}} |
| Geschwindigkeit | v â = d r â d t = v â B + v â Ⲡ{\displaystyle {\vec {v}}={\frac {d{\vec {r}}}{dt}}={\vec {v}}_{B}+{\vec {v}}{\;'}} |
| Beschleunigung | a â = d v â d t = a â B + a â Ⲡ{\displaystyle {\vec {a}}={\frac {d{\vec {v}}}{dt}}={\vec {a}}_{B}+{\vec {a}}{\;'}} |
Bei als bekannt vorausgesetzter äuĂerer Kraft F â â {\displaystyle {\vec {F}}} gilt im Inertialsystem S die Newtonsche Bewegungsgleichung
m a â â = F â â . {\displaystyle m{\vec {a}}={\vec {F}}.}
Wird die Beschleunigung a â â {\displaystyle {\vec {a}}} in die Newtonsche Bewegungsgleichung eingesetzt, ergibt sich:
m ( a â â B + a â â Ⲡ) = F â â {\displaystyle m\left({\vec {a}}_{B}+{\vec {a}}{\;'}\right)={\vec {F}}}
FĂźr die im beschleunigten Bezugssystem unbekannte Beschleunigung a â â Ⲡ{\displaystyle {\vec {a}}{\;'}} ergibt sich dann:
m a â â Ⲡ= F â â â â m a â â B = F â â + F â â T {\displaystyle m{\vec {a}}{\;'}={\vec {F}}-m{\vec {a}}_{B}={\vec {F}}+{\vec {F}}_{T}}
Wird die Trägheitskraft F â â T {\displaystyle {\vec {F}}_{T}} in dieser Form mit berĂźcksichtigt, kann man die ganze Newtonsche Mechanik auch im beschleunigten Bezugssystem anwenden.
Allgemein beschleunigtes Bezugssystem
Bei der Ableitung eines Vektors, der in einem rotierenden Bezugssystem gegeben ist, muss die Winkelgeschwindigkeit Ď Ď â â {\displaystyle {\vec {\omega }}} und die Winkelbeschleunigung Ď Ď â â Ë Ë {\displaystyle {\dot {\vec {\omega }}}} des Bezugssystems berĂźcksichtigt werden. Die kinematischen Beziehungen lauten:
| | kinematische GrĂśĂen in S |
|---|---|
| Position | r â = r â B + r â Ⲡ{\displaystyle {\vec {r}}={\vec {r}}_{B}+{\vec {r}}{\;'}} |
| Geschwindigkeit | v â = d r â d t = v â B + Ď â Ă r â Ⲡ+ v â Ⲡ{\displaystyle {\vec {v}}={\frac {d{\vec {r}}}{dt}}={\vec {v}}_{B}+{\vec {\omega }}\times {\vec {r}}{\;'}+{\vec {v}}{\;'}} |
| Beschleunigung | a â = d v â d t = a â B + Ď â Ă ( Ď â Ă r â Ⲡ) + Ď â Ë Ă r â Ⲡ+ 2 Ď â Ă v â Ⲡ+ a â Ⲡ{\displaystyle {\vec {a}}={\frac {d{\vec {v}}}{dt}}={\vec {a}}_{B}+{\vec {\omega }}\times ({\vec {\omega }}\times {\vec {r}}{\;'})+{\dot {\vec {\omega }}}\times {\vec {r}}{\;'}+2\,{\vec {\omega }}\times {\vec {v}}{\;'}+{\vec {a}}{\;'}} |
Setzt man die Absolutbeschleunigung a â â {\displaystyle {\vec {a}}} in die Newtonsche Bewegungsgleichung ein, ergibt sich:
m a â â B + m Ď Ď â â Ă Ă ( Ď Ď â â Ă Ă r â â Ⲡ) + m Ď Ď â â Ë Ë Ă Ă r â â Ⲡ+ 2 m Ď Ď â â Ă Ă v â â Ⲡ+ m a â â Ⲡ= F â â {\displaystyle m{\vec {a}}_{B}+m{\vec {\omega }}\times ({\vec {\omega }}\times {\vec {r}}{\;'})+m{\dot {\vec {\omega }}}\times {\vec {r}}{\;'}+2m\,{\vec {\omega }}\times {\vec {v}}{\;'}+m{\vec {a}}{\;'}={\vec {F}}}
AufgelĂśst nach dem Term mit der Relativbeschleunigung folgt:
m a â â Ⲡ= F â â â â m a â â B â â m Ď Ď â â Ă Ă ( Ď Ď â â Ă Ă r â â Ⲡ) â â F â â z e n t r i f u g a l â â m Ď Ď â â Ë Ë Ă Ă r â â Ⲡâ â F â â E u l e r â â 2 m Ď Ď â â Ă Ă v â â Ⲡâ â F â â C o r i o l i s = F â â + F â â T {\displaystyle m{\vec {a}}{\;'}={\vec {F}}\quad -m{\vec {a}}_{B}\quad \underbrace {-m{\vec {\omega }}\times ({\vec {\omega }}\times {\vec {r}}{\;'})} _{{\vec {F}}_{\mathrm {zentrifugal} }}\quad \underbrace {-m{\dot {\vec {\omega }}}\times {\vec {r}}{\;'}} _{{\vec {F}}_{\mathrm {Euler} }}\quad \underbrace {-2m\,{\vec {\omega }}\times {\vec {v}}{\;'}} _{{\vec {F}}_{\mathrm {Coriolis} }}={\vec {F}}+{\vec {F}}_{T}}
Der Term F â â T = â â m a â â B + F â â z e n t r i f u g a l + F â â E u l e r + F â â C o r i o l i s {\displaystyle {\vec {F}}_{\mathrm {T} }=-m{\vec {a}}_{B}+{\vec {F}}_{\mathrm {zentrifugal} }+{\vec {F}}_{\mathrm {Euler} }+{\vec {F}}_{\mathrm {Coriolis} }} ist die Trägheitskraft, die zusätzlich zur Kraft F â â {\displaystyle {\vec {F}}} im beschleunigten Bezugssystem berĂźcksichtigt werden muss.
Der Ausdruck â â m a â â B {\displaystyle -m{\vec {a}}_{B}} rĂźhrt von der Beschleunigung des Bezugssystems her und hat keinen besonderen Namen.cite-ref-9[6] Weiter ist F â â z e n t r i f u g a l = â â m Ď Ď â â Ă Ă ( Ď Ď â â Ă Ă r â â Ⲡ) {\displaystyle {\vec {F}}_{\mathrm {zentrifugal} }=-m{\vec {\omega }}\times ({\vec {\omega }}\times {\vec {r}}{\;'})} die Zentrifugalkraft. Die Zentrifugalkraft ist auf einer Achse, die durch den Ursprung des Bezugssystems geht und in Richtung der Winkelgeschwindigkeit zeigt, null. Der Term F â â E u l e r = â â m Ď Ď â â Ë Ë Ă Ă r â â Ⲡ{\displaystyle {\vec {F}}_{\mathrm {Euler} }=-m{\dot {\vec {\omega }}}\times {\vec {r}}{\;'}} wird hier nachcite-ref-11[7.1] als Eulerkraft bezeichnet (incite-ref-reb99-12-0[8] als âlineare Beschleunigungskraftâ). Der Term F â â C o r i o l i s = â â 2 m ( Ď Ď â â Ă Ă v â â Ⲡ) {\displaystyle {\vec {F}}_{\mathrm {Coriolis} }=-2m({\vec {\omega }}\times {\vec {v}}{\;'})} ist die Corioliskraft.
Kräftefreie Bewegung
Entfällt die äuĂere Kraft F â â {\displaystyle {\vec {F}}} , so berechnet sich die unbekannte Relativbewegung im beschleunigten Bezugssystem ausschlieĂlich durch die Trägheitskraft F â â T {\displaystyle {\vec {F}}_{T}} . Um die Trägheitskraft zu berechnen, ist die Kenntnis eines Inertialsystems hier erforderlich:
m a â â Ⲡ= F â â T {\displaystyle m{\vec {a}}{\;'}={\vec {F}}_{T}}
Anwendungsfall: Wie bewegen sich die Funken, wenn sie sich von der Schleifscheibe ablĂśsen.
Vorgegebene Bewegung
Ist die Relativbewegung bekannt, z. B. durch die Beobachtung von Planetenbahnen in einem erdfesten System, kann daraus auf die Gesamtkraft geschlossen werden.
F â â + F â â T = m a â â Ⲡ{\displaystyle {\vec {F}}+{\vec {F}}_{T}=m{\vec {a}}{\;'}}
Kann eine äuĂere Kraft ausgeschlossen oder vernachlässigt werden, z. B. bei den Funken, die sich von der Schleifscheibe lĂśsen, kann die Trägheitskraft berechnet werden, die fĂźr die vorgegebene Bewegung erforderlich ist. Dabei muss die Bewegung des Bezugssystems selbst nicht berĂźcksichtigt werden.
F â â T = m a â â Ⲡ{\displaystyle {\vec {F}}_{T}=m{\vec {a}}{\;'}}
Trägheitskraft und Machsches Prinzip
â
Hauptartikel
:
Machsches Prinzip
Im Rahmen der Newtonschen Mechanik ist es mÜglich, theoretisch schon einem einzigen KÜrper im ansonsten leeren Universum Eigenschaften wie Ort, Geschwindigkeit, Beschleunigung, Trägheit und damit auch Trägheitskraft zuzuschreiben. Die begriffliche Grundlage hierfßr sind die Annahmen eines absoluten Raums und einer absoluten Zeit, die durch die Spezielle Relativitätstheorie und die Allgemeine Relativitätstheorie aber als unhaltbar erkannt wurden. Schon vorher hatte Ernst Mach in einem nach ihm benannten Prinzip gefordert, die Gesetze der Mechanik so abzufassen, dass nur die Relativbewegungen der im Weltall verteilten Massen eine Rolle spielen. Dann mßssen aber auch Trägheit und Trägheitskraft eines KÜrpers auf einer Wechselwirkung mit anderen KÜrpern beruhen.
Gravitationskraft als Trägheitskraft
Begriffsbildung
Die erste der oben beschriebenen Trägheitskräfte
F â â T = â â m a â â B {\displaystyle {\vec {F}}_{T}=-m\,{\vec {a}}_{B}}
hat alle Eigenschaften eines homogenen Schwerefelds
F â â S = m g â â {\displaystyle {\vec {F}}_{S}=m\,{\vec {g}}} .
Sie ist proportional zur Masse des KĂśrpers und hängt ansonsten von keinen anderen seiner Eigenschaften ab. Sie lässt sich an ihren Wirkungen daher nicht von einer effektiven Schwerkraft gemäĂ
g â â = â â a â â B {\displaystyle {\vec {g}}=-{\vec {a}}_{B}}
unterscheiden.
Nur wenn die Schwerebeschleunigung g â â {\displaystyle {\vec {g}}} eine im betrachteten Bezugssystem von vornherein feststehende GrĂśĂe ist, wie sie etwa durch das Newtonsche Gravitationsgesetz oder durch die im Alltag und in der Technik Ăźbliche Festsetzung der Erdbeschleunigung g {\displaystyle g} bestimmt ist, ist auch eine Trägheitskraft der Form F â â T = â â m a â â B {\displaystyle {\vec {F}}_{T}=-m\,{\vec {a}}_{B}} eindeutig zu identifizieren. Anderenfalls kĂśnnte man von einem mit a â â B {\displaystyle {\vec {a}}_{B}} beschleunigten Bezugssystem sagen, es handle sich um ein Inertialsystem, in dem eine Schwerebeschleunigung g â â Ⲡ{\displaystyle {\vec {g}}'} herrscht. In diesem Sinn gilt daher auch ein geradlinig beschleunigtes Bezugssystem als Inertialsystem.
Zu einem gegebenen Gravitationsfeld g â â {\displaystyle {\vec {g}}} lässt sich stets ein beschleunigtes Bezugssystem definieren, in dem die effektive Schwerebeschleunigung g â â Ⲡ{\displaystyle {\vec {g}}'} die Gravitationskräfte gerade kompensiert, und zwar unabhängig von der Bewegung und der Art des KĂśrpers. Dazu muss dieses Bezugssystem nur mit a â â B = g â â {\displaystyle {\vec {a}}_{B}={\vec {g}}} beschleunigt sein, d. h., es muss gegenĂźber dem ruhenden System einen freien Fall ausfĂźhren. Innerhalb des fallenden Bezugssystems wĂźrden weder Gravitations- noch Trägheitskräfte zu beobachten sein, da sie sich ja exakt aufheben. Allerdings gilt dies wegen der Inhomogenität eines jeden realen Gravitationsfelds immer nur lokal, d. h. genähert in einem hinreichend kleinen Raumgebiet.
Diese Beobachtung lässt sich umdeuten, indem man das frei fallende Bezugssystem als das hier allein gĂźltige Inertialsystem definiert. Dann ist das vorherige Bezugssystem, in dem Gravitation herrscht, kein Inertialsystem mehr, denn von dem neuen Inertialsystem aus gesehen bewegt es sich entgegengesetzt zum freien Fall, also beschleunigt. In diesem System treten dann Trägheitskräfte auf, die exakt mit den vorher dort festgestellten Gravitationskräften Ăźbereinstimmen und sie daher vollständig âerklärenâ kĂśnnen. Unter einem Inertialsystem versteht man dann nur ein solches, in dem keine Gravitation herrscht. Gravitationskraft als ein eigenständiges Phänomen existiert in dieser Beschreibung nicht. Sie wird zu einer Trägheitskraft, die nur in Bezugssystemen auftritt, die keine solchen Inertialsysteme sind. Diese Feststellung ist gleichbedeutend mit dem Ăquivalenzprinzip, der Grundlage der allgemeinen Relativitätstheorie.
Im Rahmen der allgemeinen Relativitätstheorie muss allerdings das Prinzip fallen gelassen werden, dass ein fßr das ganze Universum gßltiges Inertialsystem mit euklidischer Geometrie definiert werden kann. Fßr hinreichend kleine Bereiche von Raum und Zeit lassen sich jedoch weiterhin Inertialsysteme definieren. Die gesamte Raumzeit wird durch eine vierdimensionale, gekrßmmte Mannigfaltigkeit beschrieben. Die allgemeine Relativitätstheorie geht ßber das Newtonsche Gravitationsgesetz hinaus und ist die heute anerkannte Theorie der Gravitation.
Beispiel
Als Beispiel sei erklärt, warum ein Fahrgast in einem bremsenden Zug auf horizontaler Strecke das gleiche Erlebnis hat wie bei gleichfĂśrmiger Fahrt auf abschĂźssiger Strecke. In dem bremsenden Wagen ergibt die Summe der nach unten gerichteten Gravitationskraft und der nach vorne gerichteten Trägheitskraft eine Gesamtkraft, die schräg nach vorne gerichtet ist. Um ruhig stehen zu kĂśnnen, muss die Gesamtkraft aber längs der KĂśrperachse vom Kopf zu den FĂźĂen gerichtet sein, weshalb man sich entweder nach hinten neigen oder durch Festhalten eine dritte Kraft ins Spiel bringen muss, mit der die Gesamtkraft wieder senkrecht zum Wagenboden ist. Das Gleiche zeigt sich, wenn der Wagen steht oder mit konstanter Geschwindigkeit fährt, aber die Strecke abschĂźssig ist. Dann wirkt keine der Trägheitskräfte aus der Newtonschen Mechanik, aber die Gravitationskraft zieht nicht mehr im rechten Winkel zum Boden, sondern schräg nach vorne. Fasst man die Gravitationskraft auch als Trägheitskraft auf, ist die Erklärung in beiden Fällen die gleiche.
Siehe auch
⢠Kreiselwirkung oder Gyroskopischer Effekt, die dâAlembertsche Trägheitskraft bei einer Drehbewegung.
⢠g-Kraft, Trägheitskraft im Alltag
Weblinks
⢠Trägheitssatz im beschleunigten System (Schßlerniveau, bei LEIFI)
⢠Isaac Newton (Ăbersetzung V. SchĂźller): Die mathematischen Prinzipien der Physik: Philosophiae Naturalis Principia Mathematica. Gruyter, 1999, ISBN 3-11-016105-2 (Definition III in der Google-Buchsuche).
Anmerkungen
cite-note-7Anm. 1. â Euler ging von der Frage aus, ob das aus den Planetenbeobachtungen erschlossene Kraftgesetz der Gravitation dadurch verfälscht sein kĂśnnte, dass der Beobachter sich mit der Erde selber beschleunigt bewegt hat.
Einzelnachweise
cite-note-11. â Dieter Meschede: Gerthsen Physik. 21. Auflage. Springer, 2001, ISBN 3-540-42024-X, S. 55. 25. Auflage S. 41 - Kontaktkräfte und Fernkräfte in der Google-Buchsuche
1. D. Gross, W. Hauger, J. SchrĂśder, W. A. Wall: Technische Mechanik 3. Kinetik. 11. Auflage. Springer Vieweg Verlag, Heidelberg 2010, ISBN 978-3-642-11263-8, doi:10.1007/978-3-642-11264-5 (Bewegung eines Massenpunktes).
cite-note-53. â Dietmar Gross, Werner Hauger, Jarg Schrader, Wolfgang A. Wall: Technische Mechanik: Band 3: Kinetik. 10. Auflage. Gabler Wissenschaftsverlage, 2008, S. 191. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche) S. 191: âWir schreiben nun F â ma = 0 und fassen das negative Produkt aus der Masse m und der Beschleunigung a formal als eine Kraft auf, die wir [âŚ] DâAlembertsche Trägheitskraft FT nennen: FT = âma. Diese Kraft ist keine Kraft im Newtonschen Sinne, da zu ihr keine Gegenkraft existiert (sie verletzt das Axiom actio=reactio!); wir bezeichnen sie daher als Scheinkraft.â
cite-note-64. â Giulio Maltese: On the Relativity of Motion in Leonhard Eulerâs Science. In: Archives for History of Exact Sciences Springer-Verlag. Band 54, 2000, S. 319â348.
cite-note-video-pr-z-85. â Siehe Video (Uni WĂźrzburg)
cite-note-96. â Vereinzelt wird die Bezeichnung âEinsteinkraftâ verwendet, die in anderem Kontext aber gänzlich anders gebraucht wird: Verwendung des Begriffs Einsteinkraft (S. 5). (PDF; 130 kB).
2. Cornelius Lanczos: The Variational Principles of Mechanics. Courier Dover Publications, New York 1986, ISBN 0-486-65067-7, S. 88â110 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche): âAccordingly, the force of inertia I has to be defined as the negative rate of change of momentum: I = âd/dt(mv) ⌠The definition of the force of inertia requires âan absolute reference systemâ in which the acceleration is measured. This is an inherent difficulty of Newtonian mechanics, keenly felt by Newton and his contemporaries. The solution of this difficulty came in recent times through Einsteinâs great achievement, the Theory of General Relativity.â
cite-note-reb99-128. â Eckhard Rebhan: Theoretische Physik I. Spektrum, Heidelberg/Berlin 1999, ISBN 3-8274-0246-8, S. 66.
Literatur
⢠J. W. Warren: Understanding Force. John Murray, 1979, ISBN 0-7195-3564-6. Deutsche Ăbersetzung: Verständnisprobleme beim Kraftbegriff. (PDF; 395 kB), S. 15 ff.
⢠Istvan Szabo: Einfßhrung in die Technische Mechanik. 8. Auflage. Springer, Berlin 1975, ISBN 3-540-03679-2.
⢠Richard Feynman, Robert Leighton, Matthew Sands: The Feynman Lectures on Physics (Band I Teil 1, deu-eng). Oldenbourg, Mßnchen 1974, ISBN 3-486-33691-6.
⢠Jßrgen Dankert, Helga Dankert: Technische Mechanik. 6. Auflage. Vieweg-Teubner, 2011, ISBN 978-3-8348-1375-6.
⢠Martin Mayr: Technische Mechanik: Statik, Kinematik â Kinetik â Schwingungen, Festigkeitslehre. 6. Ăźberarbeitete Auflage. Hanser, 2008, ISBN 978-3-446-41690-1 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche): âNach DâAlembert fassen wir den Ausdruck m a â â {\displaystyle m{\vec {a}}} in Bewegungsgesetz (8.1) als Hilfskraft auf und nennen sie Trägheitskraft.â
⢠Dieter Meschede: Gerthsen Physik. Hrsg.: Christian Gerthsen, Dieter Meschede. 24. Auflage. Gabler Wissenschaftsverlage, 2010, ISBN 978-3-642-12893-6, S. 41â42 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche): âKräfte, die dadurch entstehen, dass man den Vorgang in einem bestimmten Bezugssystem beschreibt, und die in einem anderen Bezugssystem nicht vorhanden wären: Trägheitskräfte [âŚ] Diese gebräuchliche aber etwas irrefĂźhrende Einstufung der Kraft als Scheinkraft ändert allerdings nichts an ihren realen, oft katastrophalen Folgen.â
⢠Istvan Szabo: Geschichte der mechanischen Prinzipien. 3. Auflage. Birkhäuser, Basel 1987, ISBN 3-7643-1735-3.
⢠Istvan Szabo: HÜhere Technische Mechanik. 6. Auflage. Springer, Berlin 2001, ISBN 3-540-67653-8.
⢠S. Brandt, H.D. Dahmen: Mechanik. 4. Auflage. Springer, Berlin 2005, ISBN 3-540-21666-9.
⢠Peter Reinecker, Michael Schulz, Beatrix M. Schulz: Theoretische Physik I. Wiley-VCH, Weinheim 2006, ISBN 3-527-40635-2.
⢠Wolfgang Nolting: Grundkurs Theoretische Physik 1 â Klassische Mechanik. 7. Auflage. Springer, Berlin 2004, ISBN 3-540-21474-7.
⢠Friedhelm Kuypers: Klassische Mechanik. 8. Auflage. Wiley-VCH, Weinheim 2008, ISBN 978-3-527-40721-7.
⢠Agostón Budó: Theoretische Mechanik. 2. Auflage. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1963, ISBN 3-540-67653-8.
⢠Lev D. Landau, E. M. Lifschitz, Paul Ziesche: Mechanik. Harri Deutsch, 1997, ISBN 3-8171-1326-9 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
⢠Hans J. Paus: Physik in Experimenten und Beispielen. 3., aktualisierte Auflage. Hanser Verlag, 2007, ISBN 978-3-446-41142-5 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).